Operation Dr. Döner (4)

Allgemein

(Teil 1 - Teil 2 - Teil 3)

Mein Wecker klingelt, ich öffne die Augen und sehe… nichts. Nur langsam taucht unter einem dichten, schwarzen Film ein Hotelzimmer auf. Als ich endlich die Schutzbrille abnehme, bin ich sprachlos: Sehen! Ich kann sehen! Begeistert gehe ich zum Fenster und genieße die Aussicht auf einen Stadtteil, der sicher nicht zu den schönsten Istanbuls zählt.

DSC00022

Ich gehe ins Bad und ziehe mich aus. Die Brille muss ich zum Duschen wieder aufsetzen. Kopfschüttelnd stehe ich vor dem Spiegel und starre mich an. Auch wenn es mir schwerfällt, muss ich den Blick abwenden. Schon in einer halben Stunde werde ich zur Nachkontrolle abgeholt. Sie wird ergeben, dass ich auf beiden Augen 100 Prozent Sehkraft habe. Nach der Untersuchung will ich gemeinsam mit zwei anderen Frischoperierten die Stadt entdecken. Anschauen - im besten Sinne. Ein wirklich tolles Gadget so eine Augen-OP. Man läuft durch die Gegend, guckt und freut sich.

Klarer Blick auf die Blaue Moschee…

 DSC00029

… im Gewürzbasar ist alles scharf (höhö) …

 DSC00051

… und auch die Aussicht im Topkapi-Palast ist, ääh, topll.

 DSC00043

Jahrhundertelang war dieses das Herrschaftszentrum des Osmanischen Reiches.

 DSC00039

Klar, dass sich da einiges an Geschirr ansammelt.

 DSC00049

“Das ist doch Wahnsinn”, sage ich zu meinen Begleitern. “So viele Schüsseln, obwohl die eigentlich nur drei brauchen: Für Salat, Tomaten und Zwiebeln…” Die beiden Humorfeinschmecker aus der Nähe von Karlsruhe schweigen und ich ziehe allein weiter. Nach Asien.

Mein Weg führt mich vorbei an wahnsinnig vielen Katzen (Kratzbaum-Messe?)

 DSC00076

zu einer Fähre, die mich auf den mir bisher fremden Kontinent bringen soll.

 DSC00052

In Asien angekommen, mische ich mich ein wenig unter das Volk. Dabei fühle ich mich wieder mal bestätigt: Der beste Reiseführer ist immer noch das Vorurteil. Die Asiaten sind tatsächlich wahnsinnig freundlich und sehen alle gleich aus: Die Frauen tragen Kopftuch und die Männer Jacket.

 DSC00062

Trotz ihrer Freundlichkeit bleiben mir die Menschen seltsam fremd. Was wohl nicht zuletzt an der beachtlichen Sprachbarriere liegt. Lächeln als kleinster gemeinsamer Nenner. Oder größtes gemeinsames Vielfaches? Egal. Europa ruft - und ich folge.

Auf der Fähre genieße ich die gestochen scharfe Aussicht und werde wehmütig. Der Moment erinnert mich an meine erste Brille. Damals war ich 11 Jahre alt, lag auf meinem Bett und sah zum ersten Mal Blätter an den Bäumen im Garten.

Ich krame in der Tasche nach meiner Brille. Einmal noch blicke ich hindurch und werfe sie dann in den Bosporus. Ich werde sie nicht mehr brauchen.

 DSC00065

 DSC00070

 DSC00071

 

* * *

Eine Woche ist meine OP jetzt her und ich bin noch immer begeistert. Es ist ein Traum, morgens die Augen zu öffnen und sehen zu können. Allerdings habe ich bei Dunkelheit noch immer Probleme und bin sehr blendempfindlich. Ich hoffe, dass sich das im Laufe der nächsten Wochen noch gibt. Trotz aller Euphorie soll auch nicht zu kurz kommen, dass eine Lasik eben eine Operation und daher mit teils erheblichen Risiken verbunden ist. Meiner Ansicht nach sind diese jedoch kalkulierbar. Aber warten wir mal ab, wie ich in fünf Jahren darüber denke…

# | 18.12.07 |



7 Kommentare bislang
Kommentiere!

naja, meine befürchtung ist eben:

wenn etwas schiefgeht, kann man oftmals nach solchen operationen nicht mal mehr kontaktlinsen tragen (ich habe so wahnsinnig schlechte heilhaut). und im moment komme ich mit kontaktlinsen auf gute 96% sehfähigkeit.

hopp oder topp!?

Von julie paradise am 18.12.07 1:11

der teil mit der brille im bosporus: wow. freu mich für dich, dass alles gut geklappt hat :)

(man sieht sich! höhö.)

Von anne am 18.12.07 1:18

Also das mit der Brille, das macht mich ganz ergriffen.

Von jette am 18.12.07 11:34

herzlichen glückwunsch!

Von miss sophie am 18.12.07 11:57

lass mich als schon immer mit 100 % sehkraft ausgestattetem dir sagen – das mit der dunkelheit ist völlig normal. da sieht man nicht so gut.

Von joe am 20.12.07 10:08

Erstmal: Herzlichen Glückwunsch zur gelungenen OP!

Diese “Oh, ich kann sooo schlecht gucken, ich will mich operieren lassen!”-Geschichten von Menschen mit wenigen Dioptrien finde ich doch oft seltsam.
Ich selbst befinde mich mit beiden Augen im deutlich zweistelligen Bereich. Wenn ich morgens meine Brille aufsetze, sehe ich wahrscheinlich immer noch schlechter als du vorher mit Brille. Aber das ist ok.
Mit Kontaktlinsen bin ich fast sorgenfrei. Ohne eins von beiden würde ich wahrscheinlich nicht mal nach Hause finden.
Von daher ist das klagen auf hohem Niveau.

Ich gratuliere jedem zu seiner erfolgreichen Augen-OP. Aber im Grunde ist die Einschränkung derer man sich damit entledigt doch lächerlich. Oder nicht? Für Menschen die wirklich schlecht sehen können, ist diese OP nämlich nicht geeignet.

Von eMBe am 21.12.07 11:02

Na sieh Mal einer an. Es ist gut gegangen.
Gratulation. Ich habe nur vom Mitlesen ein mulmiges Gefühl gehabt.

Von Logopäde am 21.12.07 15:41

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag.


Einen Kommentar hinterlassen
Zeilen und Absätze brechen automatisch um, E-Mail-Adresse wird nie angezeigt, HTML erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

(notwendig)

(notwendig)


RSS - HOME - ARCHIV