Operation Dr. Döner (3)
Als ich nach einem kurzem Mittagessen die Klinik betrete, rieche ich nach Knoblauch. Na, die werden sich freuen… Doch statt eines Kaugummis reicht mir Mustafa eine Beruhigungstablette. Auch nicht schlecht! Kommt aufs Gleiche raus. Danach verstaut er meine Füße und Haare in kleine Plastiktütchen, träufelt mir Betäubungstropfen in die Augen und führt mich in den Operationssaal.
Dort warten die Ärztin, weitere Pfleger und der Laser. Ich muss mich hinlegen, mein rechtes Auge wird fixiert und gespült. Dann wird alles schwarz, während eine feine Klinge die Hornhaut kreisförmig einschneidet. Dann beginnen die 35 entscheidenden Sekunden. Die, in denen der Laser lasert. Ich solle “immer aufs grüne Licht schauen”, hat mir Mustafa vorher eingebläut. Doch ist das nicht ganz einfach. Spätestens nach 15 Sekunden wird mir laaaaangweilig! und ich schaue - so ein Auge will unterhalten werden, vielen Dank MTV! - auch in die anderen Farben. Die roten, zum Beispiel. Ach, wie herrlich komplementär!
Mein kleiner Ausflug bleibt nicht unbemerkt. Der Laser stoppt. Die Ärztin sagt etwas auf Türkisch. Und ich bin mir sicher: Das war’s. Alles vorbei. Hoffentlich haart mein Blindenhund nicht. Radio habe ich eigentlich schon immer gerne gehört, denke ich noch, als sich das Team schon dem anderen Auge widmet. Ist ja auch logisch, dass sie mir jetzt noch keinen reinen Wein einschenken. Kennt man schließlich aus dem Bekanntenkreis: Kläffer Bello stirbt daheim, kurz nachdem Frauchen und Herrchen in den Urlaub gefahren sind. Doch da die Kinder den Eltern die schönste Zeit des Jahres nicht versauen wollen, übermitteln sie die Todesnachricht erst am letzten Tag. Oder schlimmstenfalls nach zehn Minuten “Gutschigutschi! Na, wo isser denn…?!”
Nach der OP bekomme ich eine schwarze Maske verpasst. Sie soll die operierten Augen vor zu viel Licht und meinen Fingern schützen.
Aber eigentlich ist das nicht nötig. Ich verspüren nur ein leichtes Ziepen. Ansonsten bin ich sorgenfrei. Spätestens seit mir Mustafa erklärt hat, dass alles glatt gegangen sei. Ach, das mit dem Weggucken sei kein Problem. Der “Eye Tracker” bemerke das und stoppe den Laser.
Schon jetzt kann ich trotz vieler Schlieren deutlicher sehen als vorher ohne Brille. In drei Meter Entfernung hängt ein großer Plasma-TV, auf dem “Discovery Channel” läuft. Das Logo kann ich schon fast entziffern! Toll! “Das wird noch besser”, verspricht ein Pfleger, als er sich zu mir setzt.
Gemeint ist offensichtlich die Sehkraft und nicht das Programm: Er schaltet um auf RTL zu Olli Geissen. Es geht um viele-Kinder-haben, Schlampe-sein und Piiiep. Olli Geissen sagt dann immer “Möönsch, muss das denn sein!” Wir lachen. Ein befreites Lachen. Ich bin froh, dass es vorbei ist. Und ich nicht blind bin.
Irgendwann werde ich ins Hotel gefahren. Maskiert und müde lege ich mich aufs Bett und schlafe ein. Alle zwei Stunden muss ich mir Tropfen in die Augen machen. Auf meinem Fernseher wirbt ein Schild für Pay TV. Immer wenn ich aufwache, kann ich es besser lesen. PAY TV. Cool.


7 Kommentare bislang
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Da fehlt aber ein wenig Fröhlichkeit im Blick.
Von jette am 17.12.07 0:07
hui, na da kann der olle neo aber einpacken
Von anne am 17.12.07 0:42
achtet mal auf die tapete!
Von miss sophie am 17.12.07 2:20
Beim Lesen fangen meine Augen an zu tränen… das ist bestimmt normal, oder? ODER?
Von Sebastian am 17.12.07 11:08
wow! so langsam werd ich neidisch …
Von julie paradise am 17.12.07 21:31
miss sophie, na deswegen hat er doch die brille auf! oder?
Von anne am 17.12.07 22:57
Anne: Haa-haa!
Von jette am 17.12.07 23:40
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