Operation Dr. Döner (1)
So muss sich ein Skinhead das Fegefeuer vorstellen.
Hunderte Türken drängen sich dicht an dicht im Terminal A des Flughafens Berlin-Tegel. Weinende Kinder, schreiende Frauen und Männer, die über Gepäckstücke stolpern.
Um 16 Uhr 30 soll von hier eine Maschine in Richtung Istanbul starten. Doch hat es eher den Anschein, als sei man schon da. An den Abfertigungsschaltern herrscht Chaos und ich werde langsam nervös. Habe ich mir wirklich alles gut überlegt? Was, wenn es schief geht?
Ich fliege in die Türkei, um mir die Augen lasern zu lassen. In den vergangenen Wochen habe ich mich in Foren informiert, unzählige Erfahrungsberichte gelesen und anderen Menschen von meinen Pläne erzählt. “Uuuh, OP an den Augen… Türkei?! Und wenn Du blind wirst?” lauteten häufig ihre Antworten. Bedenken, die auch mich umtreiben. Trotzdem hatte ich schließlich über das Internet ein Komplettpaket gebucht: OP, Hotel und eben Flug.
Ein verschleierte Frau rennt am Zollbeamten vorbei durch die Passkontrolle. “HAALT! Stop! Ick glob, ick spinn!” Die Wut des dicken Schnauzbartträgers bringt den Glaskasten, den er vollständig auszufüllen scheint, beinahe zum Bersten. Die Frau kehrt zurück. Auf ihren Armen trägt sie ein Kleinkind. Der Zoll-Mops schüttelt genervt den Kopf.
Um mich herum nehmen Menschen lautstark Abschied. Die meisten der Fluggäste sind Pilger, die in Richtung Mekka starten: Von Berlin über Istanbul ins saudi-arabische Dschidda und von dort mit dem Bus zu den heiligen Städten. “Auf zwei Leute, die nach Mekka fliegen, kommen noch zehn Familienmitglieder zum Tschüß sagen”, sagt ein grauhaariger Mann lächelnd.
Auch ich habe meinem Umfeld Lebewohl gesagt: “Wir hören voneinander! Wäre aber auch schön, wenn wir uns sehen.” Gags diesen Kalibers in allen Variationen. Ja, ja, “Dr. Döner” wirds schon richten.
Vor dem Getränkeautomaten in der Abflughalle entrollen einige Passagiere ihre Teppiche und beten. Auch das werte ich als Signal der Hoffnung und nicht als Reaktion darauf, dass sie den Piloten wiedererkannt haben.

1 Kommentar bislang
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In der Türkei soll es ja so einige gute Ärzte geben und das dann auch bezahlbar. Insofern: Viel Spaß bei der anschließenden Sightseeing-Tour!
Doch eins noch: Komplettpaket übers Netz gebucht. Nicht ernsthaft alles von einem Anbieter? OP-Tourismus, der neue Abenteuer-Urlaub?
Von miss sophie am 15.12.07 2:43
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