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Fil Spaß gehabt gestern…
Mein Wecker klingelt, ich öffne die Augen und sehe… nichts. Nur langsam taucht unter einem dichten, schwarzen Film ein Hotelzimmer auf. Als ich endlich die Schutzbrille abnehme, bin ich sprachlos: Sehen! Ich kann sehen! Begeistert gehe ich zum Fenster und genieße die Aussicht auf einen Stadtteil, der sicher nicht zu den schönsten Istanbuls zählt.
Ich gehe ins Bad und ziehe mich aus. Die Brille muss ich zum Duschen wieder aufsetzen. Kopfschüttelnd stehe ich vor dem Spiegel und starre mich an. Auch wenn es mir schwerfällt, muss ich den Blick abwenden. Schon in einer halben Stunde werde ich zur Nachkontrolle abgeholt. Sie wird ergeben, dass ich auf beiden Augen 100 Prozent Sehkraft habe. Nach der Untersuchung will ich gemeinsam mit zwei anderen Frischoperierten die Stadt entdecken. Anschauen – im besten Sinne. Ein wirklich tolles Gadget so eine Augen-OP. Man läuft durch die Gegend, guckt und freut sich.
Klarer Blick auf die Blaue Moschee…
… im Gewürzbasar ist alles scharf (höhö) …
… und auch die Aussicht im Topkapi-Palast ist, ääh, topll.
Jahrhundertelang war dieses das Herrschaftszentrum des Osmanischen Reiches.
Klar, dass sich da einiges an Geschirr ansammelt.
“Das ist doch Wahnsinn”, sage ich zu meinen Begleitern. “So viele Schüsseln, obwohl die eigentlich nur drei brauchen: Für Salat, Tomaten und Zwiebeln…” Die beiden Humorfeinschmecker aus der Nähe von Karlsruhe schweigen und ich ziehe allein weiter. Nach Asien.
Mein Weg führt mich vorbei an wahnsinnig vielen Katzen (Kratzbaum-Messe?)
zu einer Fähre, die mich auf den mir bisher fremden Kontinent bringen soll.
In Asien angekommen, mische ich mich ein wenig unter das Volk. Dabei fühle ich mich wieder mal bestätigt: Der beste Reiseführer ist immer noch das Vorurteil. Die Asiaten sind tatsächlich wahnsinnig freundlich und sehen alle gleich aus: Die Frauen tragen Kopftuch und die Männer Jacket.
Trotz ihrer Freundlichkeit bleiben mir die Menschen seltsam fremd. Was wohl nicht zuletzt an der beachtlichen Sprachbarriere liegt. Lächeln als kleinster gemeinsamer Nenner. Oder größtes gemeinsames Vielfaches? Egal. Europa ruft – und ich folge.
Auf der Fähre genieße ich die gestochen scharfe Aussicht und werde wehmütig. Der Moment erinnert mich an meine erste Brille. Damals war ich 11 Jahre alt, lag auf meinem Bett und sah zum ersten Mal Blätter an den Bäumen im Garten.
Ich krame in der Tasche nach meiner Brille. Einmal noch blicke ich hindurch und werfe sie dann in den Bosporus. Ich werde sie nicht mehr brauchen.
* * *
Eine Woche ist meine OP jetzt her und ich bin noch immer begeistert. Es ist ein Traum, morgens die Augen zu öffnen und sehen zu können. Allerdings habe ich bei Dunkelheit noch immer Probleme und bin sehr blendempfindlich. Ich hoffe, dass sich das im Laufe der nächsten Wochen noch gibt. Trotz aller Euphorie soll auch nicht zu kurz kommen, dass eine Lasik eben eine Operation und daher mit teils erheblichen Risiken verbunden ist. Meiner Ansicht nach sind diese jedoch kalkulierbar. Aber warten wir mal ab, wie ich in fünf Jahren darüber denke…
# | 18.12.07 | 7 Kommentare