Wer nichts zu verbergen hat…
Vor ein paar Monaten bin ich komplett umgestiegen: Weg von Mail und iCal, hin zu GMail und GCal. Ich war es einfach leid, Backups zu erstellen, Daten zu synchronisieren oder bei jeder Neuinstallation von vorne zu konfigurieren.
Nun habe ich einen zentralen Service, auf den ich von überall zugreifen kann: Ob Mobil, bei der Arbeit und nicht zuletzt von Zuhause.
“Pfui!” werden jetzt einige rufen. “Du willfähriges Opfer in den Fängen der Datenkrake!”. Aber was soll ich sagen: Bislang ist es mir schlicht und ergreifend wurscht. Die ganze Sache ist einfach zu praktisch, um sie nicht zu nutzen. Und spätestens in einem Jahr fliegt auch mein Office-Programm von der Festplatte – ich schwör. Natürlich sehe auch ich Datenschutz-Probleme. Jedoch haben die weniger mit Google zu tun als mit seinen Nutzern.
Nehmen wir zum Beispiel GCal. Die Software erlaubt es, schnell und einfach seinen Kalender zu führen und diesen ggf. freizugeben: Für “bestimmte Personen” oder gleich “für alle”.
Letztere Option mag besonders für Institutionen interessant sein, die ihre Veranstaltungen bekanntgeben wollen. Aber auch viele Privatpersonen und Geschäftsleute erlauben auf diese Weise einen Einblick in ihr Leben, der weit über Daily-Talk, Bloggen oder Twittern hinausgeht: Mitunter intimste Informationen – fein säuberlich recherchierbar über das Eingabefeld “Öffentliche Kalender durchsuchen”, das sich auf der Startseite aller GCal-Nutzer befindet.
Für Einsteiger und medizinische Interessierte empfehle ich den Suchbegriff “Arzt” – oder gleich “*arzt”, weil der Deutsche wegen seiner Gebrechen ja gern einen Spezialisten konsultiert.
Als sehr ergiebig erweist sich auch “Urlaub” – ein praktischer Service für alle Einbrecher, die nur aufpassen müssen, angesichts der Auswahl nicht den Überblick zu verlieren. (Zur Not kann Ede die verschiedenen “Geschäftstermine” jedoch gleich in seinen Kalender übernehmen – ein Klick genügt.) Schön auch “Strafsache” – für alle, die wissen wollen, wann welcher von Edes Kollegen verknackt wird bzw. wann sein Anwalt zu Mittag isst.
… Undsoweiterundsofort…
Kurzum:
Ich bin fassungslos angesichts der Leichtfertigkeit, mit der Menschen mit ihren Daten und – wie im Fall von Anwälten – mit denen anderer umgehen. Denn alle Kalender freiwillig, mehr oder weniger bewusst veröffentlicht und zudem mit dem Klarnamen des Nutzers verbunden.
Alles also ziemlich erschreckend, wie ich finde. Trotzdem möchte ich versöhnlich enden und Euch meinen Lieblingstermin präsentieren:
“2007-06-21 : Oma Arzt EPO – Spritze”
Ts, ts, ts…

OMFG. Das glaub ich ja nicht.
Von sk am 26.11.07 14:08
Das aus dem 1. Absatz kann ich ja sehr gut nachvollziehen. Einfach zu verlockend, auf alles zentral und von überall zugreifen zu können.
Nur das mit dem office von der Platte schmeißen. Das will ich sehen. In einem Jahr.
Von miss sophie am 27.11.07 0:30