Me, Myself and Die
Herr Winkelsen ist bekennender Selbstmoderator. Und auch ich schätze diese Form der Unterhaltung unter zwei Augen, verleiht sie doch selbst hinrissigsten Handlungen einen gewissen roten Faden: “Nachdem ich eine halbe Stunde gejoggt bin, esse ich jetzt drei Zimtwuppies und trinke einen Sixpack.” Moderiert klingt das doch gleich viel schlüssiger!
Mit zunehmender Anwendung wird die Sache jedoch heikel. Denn Stück für Stück ist man sich dieser Gespräche nicht mehr so richtig bewusst. So kommt es, dass man in der U-Bahn entgeistert angestarrt wird. Entweder hat man dann das ganze Gesicht voller Zahnpasta oder den Waggon gerade ausführlich über sein Seelenleben informiert. Cool bleiben, sage ich mir immer, öffne eine Wasserflasche, benetze verstohlen ein Taschentuch und säubere damit meine Mundwinkel. Möglicherweise Gesagtes ließe sich eh nicht mehr wegwischen.
Letztlich haben Bier, Gebäck und Selbstmoderationen also eines gemein. Wer nicht ganz auf sie verzichten möchte, sollte sie ein wenig einteilen – sie aufsparen für die besonderen Momente. Dementsprechend habe ich schon oft überlegt, was wohl meine finale Abmoderation sein wird.
“Passen Sie gut auf sich auf.” Nee, das wäre nix. So ein Fliege-Satz wäre bestimmt allen Beteiligten peinlich. Und Siezen macht das ganze Ableben auch ein wenig zu förmlich.
“Viel Spaß beim Vermehren der gewonnenen Einsichten!” Mmh, das ist besser – klingt aber sehr nach Klugscheißer. Außerdem ist der Schnack ziemlich lang und jeder würde – anstatt zu trauern – überlegen, wie denn nochmal diese dunkelhaarige Ost-Christiansen heißt, die den immer sagt.
Unpassend wäre sicher auch “Alles wird gut.” Das würde mit Sicherheit falsch verstanden. Entweder als übertriebene Selbstkritik, als tragische Ignoranz gegenüber der eigenen Verfassung oder gar als Verneigung vor Nina Ruge.
Prägnanter wäre da vielleicht Peter Lustigs “Abschalten!”. Passt aber natürlich nur, wenn auch entsprechendes Equipment vorhanden ist.
Im Moment tendiere ich daher eher zu einer eigenen Abmoderation, die auch bei den Amish funktionieren würde. Etwas Schlichtem, das alle ein wenig nachdenklich macht. So wie: “Das wars. Vielen Dank und bis nächste Woche!”

Ach Herr Tierpfleger, ich mag Ihren Humor!
Von Björn Grau am 23.02.07 12:51
tschüß mit üß
Von rächer am 24.02.07 13:11